PRESSEMITTEILUNG der Stadtratsfraktion.
Seit dem Jahr 2000 wird der 22. Mai jährlich als Internationaler Tag der biologischen Vielfalt begangen. Der Tag erinnert an den 22. Mai 1992, an dem in Nairobi in Vorbereitung auf den Erdgipfel in Rio de Janeiro Einigkeit über den Text des „Übereinkommens über die biologische Vielfalt“ erzielt wurde.
Wie wenig Deutschland seitdem im Bereich Artenschutz vorangekommen ist, zeigt der „Artenschutz-Report 2015“, welcher vom Bundesamt für Naturschutz am Mittwoch dieser Woche vorgelegt wurde. Er kommt zu dem Fazit, dass „der Zustand der Artenvielfalt in Deutschland alarmierend“ sei. Ein Drittel der heimischen Arten „steht auf der Roten Liste und hat damit als gefährdet zu gelten“. Der Bericht führt aus, dass das „Ziel, den Verlust der biologischen Vielfalt zu begrenzen, bisher verfehlt worden ist“ und dass „dringender Handlungsbedarf“ bestehe. Als Verursacher werden Land- und Forstwirtschaft, Wasserbau und Bautätigkeit sowie der Klimawandel benannt.
Vor diesem Hintergrund äußert sich der umweltpolitische Sprecher der grünen Stadtratsfraktion, Ludger Kanngießer:
„Trotz verschiedener bisheriger Bemühungen muss die Landeshauptstadt Erfurt ihren Beitrag zum Schutz der städtischen Biodiversität deutlich erhöhen. Das bedeutet auch, den Schutz der biologischen Vielfalt auch dann ernst zu nehmen, wenn in der Konsequenz Planungen oder bisherige Handlungsweisen zu verändern sind, wie dies aktuell beim Thema Fledermausschutz und städtische Südeinfahrt geschieht. Als grüne Stadtratsfraktion sehen wir viele weitere Handlungsbedarfe: So streben wir ein kommunales Verzicht auf Glyphosat auf allen städtischen Flächen (incl. aller verpachteter Flächen) an. Glyphosat, auch bekannt unter dem Handelsnamen „Roundup“, ist das weltweit meist verkaufte Breitbandherbizid. Nach neuen Erkenntnissen der Weltgesundheitsorganisation WHO ist Glyphosat „wahrscheinlich krebserregend“. Neben diesem Risiko trägt das Herbizid verstärkt zum Artensterben bei, da durch das Abtöten der Beikräuter vielen Insekten und damit auch den Feldvogelarten die Nahrungsgrundlage entzogen wird.
Erfurt könnte hier mit gutem Beispiel vorangehen und mit einem Verzicht auf Glyphosat die biologische Vielfalt stärken. Eine entsprechende Anfrage haben wir für den nächsten Stadtrat gestellt. Sie soll ein erster Schritt zur Entwicklung von Kriterien zur Erhaltung bzw. Wiederer- langung eines guten ökologischen Zustands städtischer Flächen sein.
Darüber hinaus setzen wir uns beispielsweise für die Erhöhung des Anteils extensiv gepflegter Grünflächen mit weniger Grasmahd, für die Verwendung blütenreicher Saatmischungen bei Neugestaltung von Grünflächen, das Pflanzen von Obstbäumen, die bessere Integration von Bestandsbäumen und die Förderung von Fassadenbegrünung ein. Oft sind es die kleinen Schritte, die beispielsweise über Festsetzungen in Bebauungsplänen einen Beitrag zum Schutz der biologischen Vielfalt leisten können.“, so Ludger Kanngießer abschließend.
V.i.S.d.P.: Martin Kosny (0361 655 2030)
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
im Erfurter Stadtrat




















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