Sehr geehrte „Initiative für ein friedliches Marbach“,
Sie haben ein Flugblatt mit dem Titel „WARUM wird der vom Aussterben bedrohte Feldhamster in Erfurt nicht geschützt?“ veröffentlicht. Darin behaupten Sie, dass – erstens – bezüglich aktueller Bauvorhaben in Erfurt-Marbach keine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt wurde, und – zweitens – dass der Oberbürgermeister und auch die Grünen davon wissen und seit Monaten eine Antwort schuldig sind.
Beide Behauptungen sind schlicht falsch.
Das Vorkommen des Feldhamsters auf den landwirtschaftlichen Flächen der Gärtnerei Rose zwischen der Uni und Marbach ist der Stadtverwaltung und auch uns Grünen (wie den anderen Parteien des Stadtrates) durchaus bekannt. Es wurde im Zusammenhang einer möglichen Erweiterung der Universität auf diesen Flächen überprüft. Durch das Umwelt- und Naturschutzamt Erfurt wurde vor einiger Zeit eine Kartierung, d.h. eine Untersuchung der Hamstervorkommen in Auftrag gegeben. Die Untersuchung wurde 2015 durchgeführt. Im Ergebnis wurden auf den landwirtschaftlichen Flächen der Gärtnerei vermehrt Feldhamster vorgefunden. Aufgrund der ökologischen und vielseitigen Anbaumethoden der Gärtnerei Rose findet der Hamster dort ideale Lebensbedingungen.
Ganz offenbar geht es Ihnen aber nicht um diese Fläche, sondern um das Areal jenseits der B 4 an der Schwarzburger-Straße (Gewerbegebiet). Da dort schon eine Bebauung stattgefunden hat und – wie gerade gesagt – der Feldhamster auf der Seite der Universität hervorragende Bedingungen findet, halten wir es für ziemlich unwahrscheinlich, dass der Feldhamster an der Schwarzburger-Straße siedelt oder diese Fläche für den Hamsterschutz relevant ist. Zugleich aber gilt, dass eine erneute Untersuchung auf den Flächen der Gärtnerei durchgeführt werden muss. Im August 2016 haben wir als Grüne Fraktion nach dem Stand der Marbacher Hamstervorkommen in der öffentlichen Stadtratssitzung nachgefragt (siehe Drucksache 1460/16). In ihrer Antwort versichert uns die Stadtverwaltung, dass das Verfahren solange ruhen wird, solange keine erneute Kartierung der Feldhamstervorkommen vorgenommen wurde. Seien Sie versichert, dass wir bei diesem Thema sensibilisiert sind und für den Schutz der biologischen Vielfalt streiten werden.
Was das Grundstück der geplanten Moschee im Gewerbegebiet zwischen der Uni und Marbach betrifft, so gibt es hierzu noch keine Erkenntnisse über dortige Hamstervorkommen. Es können also auch keine verheimlicht werden. Da es sich seitens der Ahmadiyya-Gemeinde bisher um eine Bauvoranfrage handelte, waren weder Hamsterkartierung noch Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig. Diese Untersuchungen werden in der Regel im weiteren Verfahren vorgenommen. Das ist auch in Erfurt so. Nach aktueller Sachlage gehen wir davon aus, dass es für die Fläche der geplanten Moschee ein Artenschutzgutachten geben wird. Sollte dies wider Erwarten nicht erfolgen, wird ein solches Gutachten von uns im normalen Gang der Dinge auch eingefordert werden.
Hier wird also gar nichts verschwiegen oder als Geheimwissen unter Verschluss gehalten. Wir werden als Bündnis90/Die Grünen auch weiterhin alle Schritte unterstützen und einfordern, die notwendig sind, um ein transparentes Verfahren zu garantieren. Nicht mehr – und nicht weniger.
Unterstellungen und Vermutungen sind meist schnell bei der Hand – und einer vernünftigen Diskussion zugleich nicht förderlich. Wenn Sie sich die vernünftige und damit auch „friedliche“ Entscheidungsfindung auf die Fahnen geschrieben haben, sind wir gerne zum Dialog bereit.
Mit freundlichen Grüßen,
Prof. Dr. Alexander Thumfart Astrid Rothe-Beinlich
Fraktionsvorsitzender




















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